Kontrollierte Wohnraumlüftung

 

 

 

Es gibt sehr viele Faktoren, die den Heizenergieverbrauch eines Hauses bestimmen – angefangen bei der Gebäudehülle über die Qualität der Heizungsanlage und der Dichtheit des Gebäudes bis hin zum individuellen Nutzerverhalten. Ein wesentlicher Faktor aber ist das Lüftungsverhalten des Nutzers. Das Be- und Entlüften von Räumen, welches zur Abfuhr der angefallenen Feuchte und verbrauchten Luft erforderlich ist, muss regelmäßig und gewissenhaft erfolgen. Wird zu wenig gelüftet kann es zu Schimmelbildung kommen. Wird zu lange gelüftet kommt es – neben einer möglichen Schimmelbildung bei den ausgekühlten Bauteilen – auch noch zu hohen Energieverlusten: kalte Luft strömt ins Haus und verdrängt die warme Luft welche durch das geöffnete Fenster nach draußen strömt.

 


Der relative Anteil der Lüftung am gesamten Energiebedarf hängt also vom Nutzer ab.

 

 

Abluft wird in Küche und Bad abgesaugt - Räume werden über Rohrleitungen mit
 Frischluft versorgt



Durchschnittlicher Lüftungswärmeverluste bei Ein- und Mehrfamilienhaus bei Neubauten

 

 

Wichtig ist, dass immer der Außentemperatur und der Feuchte entsprechend gelüftet wird: Je kälter es im Freien ist umso weniger lange muss das Fenster offen bleiben.


Eine Grundregel sollte jedoch immer gelten: niemals den Raum durch ein gekipptes Fenster lüften, denn man vergisst gerne diese gekippten Fenster wieder zu schließen. Dies gilt vor allem für Bäder oder für WCs die man nach einer Benutzung durch ein gekipptes Fenster belüften möchte. Es ist dann immer besser zumindest einen zeitgesteuerten Abluftventilator einzubauen.

 


Altbauten

 

Die als unangenehm empfundenen Zuglufterscheinungen durch undichte Gebäudeteile (wie Fenster, Türen und aus Holz erstellte Konstruktionen) treten vor allem in Altbauten auf und führen dort zu hohen Energieverlusten. Gemessen am Gesamtwärmeverlust bei einem nicht sanierten Gebäude, welches bis Anfang der siebziger Jahre gebaut wurden, gehen teilweise bis zu 70% der Wärme durch diese undichten Bauteile verloren. Nur 20-35 % des Heizbedarfs gehen auf Kosten der Wärmeverluste über Mauern etc.

 

 

 

Neubauten

 

Neubauten oder nachträglich vergleichbar gedämmte Altbauten haben zwar dichte Fenster, dennoch steigt der Anteil durch die der Lüftung zuzuordnenden Wärmeverluste auf bis zu 45 % an. Das hat zwei Gründe:

 

1. Um einen einfachen Luftwechsel (Raumvolumen 1mal pro Stunde gegen Frischluft ausgetauscht) zu erreichen, müsste ein Fenster, abhängig von der Außentemperatur und den vorherrschenden Windbedingungen, stündlich 15-30 Minuten gekippt werden. Hierbei verliert das Haus 40-65 % der gesamten Heizenergie! Oftmals ist es aber den Bewohnern praktisch gar nicht möglich bzw. zuzumuten, stündlich in den Räumen für 30 Min. zu lüften, um das hygienisch und bauphysikalisch notwendige Minimum an Lüftung zu gewährleisten.

 

2. Der zweite Grund dafür, warum der relative Beitrag der Lüftung bei Neubauten ansteigt, liegt in der besseren Wärmedämmung und der Verringerung der Wärmeverluste durch die Wände. Dies wird besonders deutlich bei "Niedrigenergiehäusern", wie sie heute durch die neue KlimaHaus-Verordnung zum gesetzlich vorgeschriebenen Standard geworden sind.

 

 

Niedrigenergiehäuser

 

In Niedrigenergiehäusern werden alle heute wirtschaftlich vertretbaren Wärmedämm-Maßnahmen durchgeführt. Diese Häuser sind so gut gedämmt, dass nur noch 35-50% der Gesamtwärmeverluste auf die Wände entfallen.

Da der übermäßig starke Einfluss der aktiven Wohnungslüftung in solchen Fällen auch die Regulierbarkeit der Heizung überfordern kann, gehört die kontrollierte Wohnungslüftung mit 90 % Wärmerückgewinnung zum Konzept dieser Bauweise. Damit kann der Gesamtenergiebedarf um 30-50 % reduziert werden.

 

 

Relativer Anteil der Lüftung an den Gesamtwärmeverlusten eines Wohnhauses bei verschiedenen Bauausführungen


Heizenergieverbrauch für die Lüftung in Abhängigkeit von der durchschnittlichen Luftwechselrate (ohne WRG)

 

 

Das bedeutet, dass die Lüftungswärmeverluste in Gebäuden schon immer eine große Rolle gespielt haben. Dass früher nichts dagegen getan wurde liegt daran, dass es dichte Fenster und Rahmen einfach nicht gab, und daran, dass sonstige Energieverluste durch die Wände nach außen so immens waren, dass eine Verringerung der Lüftungswärmeverluste sich weniger auf die Energiekosten auswirkte.

 

 

 

Zehn Argumente zur kontrollierten Wohnraumlüftung

 

 

 

  1. Mehr Wohlbehagen

    Die verbrauchte Luft im Haus wird ständig gegen gereinigte Frischluft ausgetauscht. Schadstoffe, Staub und Blütenpollen werden dabei weggefiltert – gute Nachrichten für Alergiker. Mücken und sonstige Insekten bleiben draußen

.

  2. Weniger Heizkosten

    Die Wärme aus der verbrauchten Luft wird mittels Kanal-Wärmetauscher zu 90% zurückgewonnen und der Frischluft zugeführt, ohne dass sich die Luftströme vermischen. Ergebnis: Heizkosteneinsparung 30 bis 50%

.

  3. Wirtschaftlich-ökologische Gesamtlösung

    Heizung und Lüftung: Durch die Reduzierung der Heizenergie kann eine kleinere Heizanlage installiert werden. Damit wird der Einsatz einer Wärmepumpenheizung oder elektrischen Heizung wirtschaftlich sinnvoll. Gaszuleitung und Schornstein können bei Wärmepumpe und Elektro-Speicherheizung eingespart werden.

  4. Ruhiger Wohnen

    Bei kontrollierter Lüftung können die Fenster geschlossen bleiben – und trotzdem ist frische Luft in allen Räumen. Lärm von Nachbarn und belebten Straßen bleibt draußen. Nichts stört die Nachtruhe.

  5. Bequem und sorglos leben

    Die Sorge um ausreichende Lüftung übernimmt das kontrollierte Lüftungssystem. Pflanzen brauchen nicht mehr vom Fensterbrett geräumt geräumt und an offenstehende Fenster muss nicht mehr gedacht werden.

  6. Automatische Geruchsbeseitigung

    Essendunst in der Küche, Gerüche vom WC, Wasserdampf im Bad, textile Ausdunstung, Tabakqualm im Wohnzimmer: Alle Gerüche werden permanent nach draußen geleitet.

  7. Keine Feuchteschäden mehr

    Feuchtigkeit (z.B. durch Kochen und Duschen) kann sich nicht mehr festsetzen, weil sie sofort abgeführt wird. Feuchtebauschäden, Schimmelpilze und Hausstaubmilben kommen bei fachgerechter kontrollierter Lüftung nicht vor.



  8. Zuluftkühlung

    An heißen Sommertagen ist eine geringe Zuluftkühlung durch den Erdwärmetauscher möglich wenn dieser auch realisiert wurde.

  9. Energiesparend für eine bessere Umwelt

    Heizenergie sparen ist aktiver Umweltschutz. Die Frischluft-Wärmegewinn-Technik trägt wesentlich dazu bei, dass die Luft und damit unsere Umwelt weniger belastet werden.
Heizanlagen verursachen beim Betrieb Schadstoffe. Der Schadstoffausstoß trägt erheblich zur Luftbelastung und Smogbildung bei. Unsere Umwelt und Gesundheit sind in Gefahr. Der beste und wirksamste Weg, die Luftbelastung zu reduzieren, ist die Energieeinsparung.

  10. Energieeinsparung bei der Lüftung

    Die Wärmeverluste durch Wohnungslüftung lassen sich nicht beliebig verringern, da ein hygienisch und physikalisch notwendiges Minimum an Lüftung nicht unterschritten werden darf und die Lebensqualität in Räumen entscheidend von der Frischluftzufuhr bestimmt wird. Im Folgenden wird es deshalb um etwas gehen, was manchem wie die Quadratur des Kreises anmuten wird: nämlich ein Maximum an Raumluftqualität bei einem Minimum an Energieverlust zu bewerkstelligen. Eine Garantie für eine dauerhaft gute Raumluftqualität bei geringsten Lüftungswärmeverlusten bietet letztlich nur der Einsatz der kontrollierten Wohnungslüftung mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung.

 

 

ALLERDINGS:

der Einbau einer kontrollierten Wohnraumlüftungsanlage setzt eine dichte Gebäudehülle voraus, ansonsten stellt sich ein zu hoher Luftwechsel ein der zu einer sehr trockenen Luft in der Wohnung führt.

 

 

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.passivhaustagung.de